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Stadtverordnete halten einen Mehrfamilienhausbau in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße für sinnvoll.

Entscheidung steht noch aus
Stadt Lübben diskutiert Bebauungsplan
 Stadtverordnete halten einen Mehrfamilienhausbau in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße für sinnvoll.
Stadtverordnete halten einen Mehrfamilienhausbau in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße für sinnvoll. FOTO: LR / Steven Wiesner
Mehrgeschosser oder Häuschen: Wie soll es an der Jahn-Straße aussehen? Stadtverordnete diskutieren aufwendige und nicht ganz risikofreie Überarbeitung des Bebauungsplans für Lübben-Ost. Von Ingvil Schirling

Leben ist das, was passiert, während man Pläne macht. Das geht den Menschen und den Leuten so – und aktuell der Lübbener Stadtplanung. Warum auch sollte eine Behörde, die sich explizit damit beschäftigt, davon ausgenommen sein?

Karin Jacobsen nimmt das mit Würde und Genauigkeit. Die Lübbener Chef-Stadtplanerin schlägt sich mit ihren Kollegen aktuell mit einem dicken Brocken herum, der ein wichtiger Baustein für die Zukunft der Stadt Lübben werden könnte. Könnte. Denn entschieden ist noch nichts.

Die Rede ist von einem teuren, aufwendigen und umfangreichen Werk namens B-Plan Nr. 4-1. Das B steht für Bebauung, und das Papier beschreibt die Art und Weise, wie ein 5,6 Hektar großes Gebiet an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße künftig zum Wohnen genutzt werden könnte.

Der aktuelle Knackpunkt ist: Der Plan stammt aus dem Jahr 2011. Und damals wurde die Entwicklung Lübbens noch ganz anders eingeschätzt, nämlich auf der Basis zurückgehender Einwohnerzahlen und einer schrumpfenden Stadt. Bedarf bestand aus damaliger Sicht maximal noch für einige Einfamilienhäuser. Exakt 34 wurden in dem Gebiet vorgesehen.

In den vergangenen acht Jahren aber hat sich das wahre Leben geradezu gegensätzlich zu diesen Plänen verhalten. Das Fundament, auf dem der B-Plan 4-1 aufgebaut wurde, stimmt hinten und vorne nicht mehr. Längst ist eine neue Grundlage erarbeitet worden: eine Stadtentwicklung, die den Einwohnerzuwachs mitsamt den notwendigen Kitas und anderer Infrastruktur berücksichtigt. „Lübben 2030“ heißt das Konzept, und es sieht vor, dass sich die Kleinstadt bis zu diesem Zeitpunkt auf schätzungsweise 15 000 Einwohner vergrößert.

Konkret bedeutet das: Lübben braucht Einfamilienhäuser, ja. Aber die Stadt benötigt noch viel dringender Wohnungen, am besten bezahlbare. Daher haben die Stadtverordneten der Verwaltung Ende November 2018 den Auftrag erteilt, zu prüfen, was eine Änderung des B-Plans 4-1 kosten würde und wie lange sie dauern würde.

Das hat Karin Jacobsen jetzt nicht nur mit zwei Zahlen beantwortet. Detailliert hat sie zusammengetragen, welche Chancen und Risiken sich daraus ergeben würden, den Plan ganz neu aufzurollen.

Ergebnis: Die Chancen sind groß, das Risiko ist aber auch nicht ohne. Es besteht vor allem darin, dass die Flächen jetzt schon – obwohl die Erschließung noch gar nicht angepackt wurde – mehrfach überzeichnet sind. Exakt 96 Anträge grundsätzlich Interessierter gibt es für die 34 Grundstücke. Ihnen müsste abgesagt werden. „Wenn einer von ihnen klagt mit dem Argument: ,Ich habe mich darauf verlassen’, haben wir ein Verfahren von drei, vier Jahren“, wandte Wolfram Beck (Pro Lübben) ein. Für Peter Rogalla (Die Linke) fiel eher der Faktor Zeit ins Gewicht: „Ich bin mir noch nicht darüber im Klaren, ob wir uns über 27 Monate eine Totalblockade an dieser Stelle leisten können und wollen.“ So lange würde es laut Verwaltung dauern, bis ein neuer Bebauungsplan erarbeitet wäre und Rechtskraft hätte. Kosten würde das Unterfangen etwa 85 000 Euro – plus die Ausgaben, die jetzt schon für den alten Plan geleistet wurden.

Doch es habe natürlich auch „Charme, ein Stadtteilkonzept mit einer gewissen Vielschichtigkeit zu entwickeln“, fasste Wolfram Beck das zusammen, was Karin Jacobsen unter den Chancen einer Runderneuerung des Bebauungsplans aufgezählt hatte: Der Wohnraum könnte verdichtet werden, damit könnten dort mehr Einwohner leben – auch mithilfe von Mehrfamilienhäusern. Es könnte ein kleines Zentrum für Lübben-Ost entstehen. Denkbar wäre ebenso eine Kita, möglicherweise in Zusammenhang mit einer Erweiterung der Fläche des Schulhofs an der Jahn-Grundschule. Nur eines geht nicht, das machte Karin Jacobsen auf Nachfrage von Jens Richter (CDU/Grüne) klar: das Gebiet teilweise zu betrachten. Wenn, dann müsste es als Ganzes neu geplant werden.

Den nächsten Schritt müssen nun die Stadtverordneten machen. Peter Rogalla deutete eine überfraktionelle Abstimmung bereits an. Wer weiß, wie das Leben dann spielt.

 
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