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Ingenieur stellt sich gegen geplante Variante der Ortsumgehung von Lübben.

Einspruch erhoben
Lübbenauer mit Petition gegen neue Umgehungsstraße
 
Lübben. Ingenieur stellt sich gegen geplante Variante der Ortsumgehung von Lübben. Die Stadtverordneten müssen jetzt entscheiden. Von Ingvil Schirling (Quelle: LR 26.02.2019)

Erwin Lieke ist zwar kein Lübbener. Das hindert den Ingenieur aus Lübbenau aber nicht daran, seit Jahren eine deutliche Position gegen die weitere Planung der Lübbener Ortsumgehung zu vertreten. Jetzt hat er sich mit einer Petition an die Stadtverordneten gewandt. Die Lektüre ist umfangreich, im Internet vollständig nachzulesen und enthält zahlreiche Details.

Lieke will zwei Dinge. Die Planungen für die Trasse sollen eingestellt werden. Er hält das Vorgehen für kostenaufwendig und naturzerstörerisch. Deshalb soll statt der Umfahrung das innerstädtische Verkehrsnetz optimiert werden.

In einem 20-seitigen, größtenteils in gut lesbarer Handschrift verfassten Dokument zählt er zum einen aus seiner Sicht bisherige Verfahrensfehler bei der Planung auf. Zum anderen zeigt er, auch mit Konstruktionszeichnungen, Möglichkeiten auf, wie die Verkehrssituation durch den innerstädtischen Ausbau gelöst werden könnte. Auch die LR hat darüber schon mehrfach berichtet.

Die Kernpunkte hat er nun im Hauptausschuss, der als Gremium für Petitionen die Antwort darauf für die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag dieser Woche vorbereitet, erneut vorgestellt. Sein Hauptargument: „Mit der Ortsumfahrung auf 10,5 Kilometern Länge wird die innerstädtische Verkehrssituation nicht gelöst.“ Mit Verweis auf die streckenweise abgesackte Ostseeautobahn, deren Damm über moorigem Boden bei Tribsees weggebrochen war, argumentierte er: „Man kann nicht immer so weit in den Untergrund sehen und ihn auch nicht immer erbohren.“ Auch die Trasse um Lübben würde teilweise auf Hochdämmen, verbunden mit Brücken, verlaufen, und auch in der Region gibt es immer wieder moorige Stellen.

Eine Entschärfung der belastenden Verkehrssituation in der Stadt sieht Lieke nach wie vor unter anderem im Bau einer Unterführung an den Bahngleisen der Weinberg-/Luckauer Straße. „Nach Planrecht ist das möglich“, argumentierte er. Unterm Strich könne man „für die Hälfte des Geldes die Verkehrssituation in Lübben entschärfen und an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anpassen.“

Darauf hat die Stadtverwaltung eine Antwort vorbereitet, die die Petition ablehnt. Beim ersten Punkt, die Planung für die Trasse einzustellen, verweist die Stadt darauf, dass in dem Fall der Bund zuständig ist. Grund ist, dass die Umfahrung letztlich eine neue Führung der B 87 sein wird. Und Bundesstraßen plant der Bund oder eine von ihm beauftragte Institution. Im Bundesverkehrswegeplan ist die Ortsumgehung im weiteren Bedarf mit Planungsrecht eingestuft, nicht höher.

Zu Punkt zwei der Forderungen, das innerstädtische Verkehrsnetz zu optimieren, führt die Stadtverwaltung mehrere Punkte auf, die bereits erledigt sind – und weitere, die teils in ihrer, teils in anderer Zuständigkeit noch erfolgen werden. Der Ausbau des Houwald-Dammes gehört dazu.

Die Diskussion im Hauptausschuss machte deutlich, dass die Petition voraussichtlich in der Tat aus den genannten, eher formalen Zuständigkeitsgründen abgelehnt wird. Rein inhaltlich aber ging es in eine andere Richtung. „Ich glaube schon, dass technisch einiges möglich ist“, sagte Peter Rogalla (Die Linke) in Bezug auf die Unterführung unter den Gleisen. Schließlich habe man auch den Ärmelkanal untertunnelt. Thomas Weidemanns (Wir von Hier) erinnerte daran, dass seine Fraktion schon früher einen Antrag bei der Landesregierung eingereicht hatte, die B87 für den Schwerlastverkehr zu sperren. Das sei abgelehnt worden mit dem Hinweis, dass es schlicht nicht möglich sei. Die Ansicht zur Umfahrung aber „teile ich. Das sehe ich ganz genauso“, bestätigte er. Paul Bruse (Die Stadtfraktion) mahnte: „Wir müssen den Verkehr in der Stadt in den Griff bekommen. Und dabei muss man uns von oben unterstützen.“

Endgültig über die Petition von Erwin Lieke werden die Stadtverordneten am Donnerstag, 28. Februar, entscheiden. Beginn der Sitzung ist 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Lübbener Rathauses.

 
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