Die Frage nach der Zukunft des ehemaligen Houwaldschen Landsitzes wird in der Spreewaldstadt Lübben wird oft gestellt. Das Neuhaus beherbergt Räume der Musikschule Dahme-Spreewalds und mindestens eine private Wohnung. Im Souterrain baute einst der Spreewaldverein seine Netzwerke auf. Der rote Salon und die besondere Architektur des Neuhauses bieten sich für Konzerte regelrecht an; doch um Veranstaltungen dieser Art ist es ruhig geworden.

Die Lübbener Stadtverwaltung hätte gern ein „Offenen Haus“ für alle: ein Haus für Kreativität und – „ganz im Houwaldschen Sinne – als Salon zum Debattieren und Denken“, heißt es zu den Plänen aus dem Rathaus. Am Samstag, 23 November 2019 waren deshalb Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion über das künftige Neuhaus eingeladen.

In Sack und Tüten ist natürlich noch nichts. Das machte Ines Mularczyk als Sachgebietsleiterin für Ehrenamt und Kultur am Ende der von ihr und Anja Rasch geleiteten Ideenfindungsgruppe über die künftige inhaltliche Ausrichtung all dessen, was im Neuhaus stattfinden könnte, ganz deutlich. Zwei zentrale Ergebnisse wurden in diesem Zusammenhang der Abschlussrunde fast schon vorweg genommen.

Erstens: Das Neuhaus soll ein „offenes Haus für verschiedene Genres“ werden, so fasste es Ines Mularczyk anhand der gesammelten Ideen zusammen. Zweitens: „Dazu braucht es einen Koordinator vor Ort, einen, der hier ansässig ist und das Haus bewirtschaftet.“

Zukunft des Neuhauses: Diese Ideen werden diskutiert

Unter diesen Vorzeichen wäre dann vieles möglich. Jugendkulturhaus, Proberäume, Talenteclubs, Filmkulisse, Führungen, Feste, Künstlersymposien, Kinderkunstprojekte und vieles, vieles mehr. Was davon wie konkret umgesetzt werden kann, ist noch völlig offen. Die rund 50 Interessierten, darunter viele bekannte Gesichter, zeigten trotz des eher kurzfristig angesetzten Termins aber auch, dass das Herz vieler Lübbener nach wie vor für das Herrenhaus schlägt.

In dem einzigartigen Bau mit dem Oktagon im Zentrum wurden neben den inhaltlichen Fragen auch die Finanzierung und das künftige Marketing beleuchtet. Das erwies sich am Ende nicht wirklich als voneinander trennbar, aber wegen der Gruppengröße und verschiedener Ideengebungen doch als praktikabel. Zur Anregung der Fantasie und als Grundlage der Diskussionen hatte zuvor Museumsleiterin Corinna Junker durch die Räume geführt.

„Das Neuhaus ist ein super Ort für Lübben“

Rita Melzer war danach beeindruckt. „Das ist ein super Ort für Lübben. Ich sehe die Räume zum ersten Mal und finde es schade, dass in den letzten Jahren so stiefmütterlich behandelt wurde.“ Bürgermeister Lars Kolan wollte das nicht ganz so hinnehmen.

Zwar ist es um Konzertveranstaltungen eher ruhig geworden, doch die Kreismusikschule als Mieter mehrerer Räume machte am Nachmittag auf sich aufmerksam. Ausgerechnet zu Beginn der Runde, die sich mit der künftigen Finanzierung der möglichen Projekte beschäftigte, intonierte die Trompetengruppe im Übungsprogramm „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

Was aber tun, wenn dessen Geschenkesack nicht groß genug für die Zuwendungen ist, die das Neuhaus bräuchte? Etwas Geld kommt regelmäßig durch die Vermietung an Hochzeitsgesellschaften in die Stadtkasse, machte Katharina Werner von der Stadtverwaltung deutlich.

Die Mieter müssen zwar alles mitbringen, können das Haus aber auch von Freitagabend bis Montagfrüh für 165 Euro im Sommer und 185 Euro im Winter nutzen, der Flügel kostet weitere 25 (gestimmt 125), der Garten 200 Euro. Für 2020 sind zwischen Mai und September nur noch zwei Wochenenden frei, sagte sie auf LR-Nachfrage. „Das hat sich herumgesprochen“, stellte sie fest.

Sanierungsstau im Neuhaus: 300 000 Euro

Der Sanierungsstau in dem herrschaftlichen Gebäude beläuft sich allerdings auf geschätzte 300.000 Euro. Und Bürgermeister Lars Kolan (SPD) machte in der von ihm moderierten Runde zur Finanzierung wiederum deutlich: „Anspruch sollte schon sein, wenn die Stadt Eigentümerin ist, dass wir uns dann auch um die Sanierung kümmern.“

Ideen zur Einnahmenseite reichten von der Gesprächsaufnahme mit dem gegenüberliegenden Niederlausitzer Studieninstitut über offene Arbeitsorte, in die man sich einfach mit seinem Laptop einmieten kann, bis hin zu Stiftungs- oder Fördervereinsgründungen. Das größte Potenzial mit Blick auf Eintrittsgelder bei Festen sah die Gruppe Kolan zufolge im Außenbereich.

Dass für die Umsetzung eines oder mehrere Ansätze „Marketing das A und O ist“, betonte wiederum Ines Mularczyk. Die Marketing-Gruppe unter Leitung von Pressesprecherin Dörthe Ziemer erarbeitete als Kernpunkt, dass man „das Neuhaus als Marke entwickeln“ müsse, die sympathisch und authentisch sei.

Lübbener Neuhaus: Bürgermeister plant neue Diskussion

Im nächsten Schritt sollen die gesammelten Ideen nun geordnet werden, neudeutsch „geclustert“, wie Kolan ankündigte. „Und damit werden wir dann wieder auf Sie zukommen“, sagte er zu den Gästen.