Wer immer am Lübbener Eichengrund einmal eine Kita bauen wird – und das ist formal noch völlig offen – braucht ein fertiges, baureifes Grundstück. Das träfe dann auch auf die Awo Brandenburg-Süd mit Sitz in Lübbenau zu, die in Lübben die Kita „Sonnenkinder“ betreibt und in der Region einige neue Gebäude, nicht nur für die Kinderbetreuung, errichtet hat. Deshalb nutzen Stadtverwaltung und -verordnete die Expertise der Nachbarn, um Möglichkeiten für einen großen Kita-Bau in Lübben-Nord auszuloten. Am Donnerstag bei der Stadtverordnetenversammlung zeigte die Awo-Geschäftsführung Möglichkeiten auf.

Ein Spatenstich liegt in weiter Ferne

Der aktuelle Sachstand zeigt: Der erste Spatenstich liegt in weiter Ferne. Auf Nachfrage von Frank Selbitz (Pro Lübben), ob das bisher angedachte Eröffnungsjahr 2022 noch realistisch sei oder besser von 2023 ausgegangen werden solle, räumte Fachbereichsleiterin Petra Streiber ein: „Da haben Sie recht.“ Der Zeitstrahl, der den Stadtverordneten gezeigt wurde, stamme aus dem Mai und müsse überarbeitet werden.

„Der große Knackpunkt ist das Grundstück“, so Petra Streiber. „Das war schwer zu bekommen für uns.“ Kommenden Monat solle es ein Entscheidungspapier geben, in dem der Grundstückstausch umgesetzt werden soll.

Was steckt konkret dahinter? Die Awo hat aus ihrer Sicht drei Flächen verglichen. Eine davon sei räumlich nicht ausreichend, die beiden anderen unterschiedlich in der Qualität. Davon wiederum eine wird etwas negativer bewertet als die andere, unter anderem wegen möglicher Nachbarschaftskonflikte und einem als hoch eingeschätzten Aufwand für die Verkehrserschließung.

Lange Überlegungen für Grundstückstausch

Die favorisierte Fläche, die in dem Areal quasi mittig liegt, ist nicht komplett in kommunalem Eigentum. Ein Teil von ihr gehört der genossenschaftlichen Wohngemeinschaft Lübben (GWG). Vorstand Jürgen Busch sagte auf LR-Nachfrage: „Dass die GWG-Fläche mit einer städtischen getauscht wird, ist schon seit dem damaligen Abriss der ?dortigen Gebäude klar.“ Diskutiert worden sei längere Zeit, welche Fläche die GWG im Gegenzug von der Stadt bekommt. Denn diese solle an Flächen anschließen, die die GWG bereits bewirtschaftet, „damit wir eine sinnvolle Entwicklung betreiben können“, sagt Jürgen Busch. Er bestätigt, dass die Einigung nun da ist und voraussichtlich Anfang 2020 realisiert werden kann.

Die Nachfrage nach Kitaplätzen ist riesig

Zurück zu den Erfahrungen der Awo: „Eine Kita dort reinzusetzen, wenn das Grundstück und eine klare Beschlusslage da sind, wäre nicht das Problem“, schätzt Vorstand Wolfgang Luplow auf LR-Nachfrage ein. Die ursprünglichen Pläne, 180 Kinder an dem Standort zu betreuen, werden aktuell offenbar von der hohen Nachfrage überholt. Die Rede ist bereits von 240 Plätzen. Auch eine spätere Erweiterung wäre „auf Basis einer Segmentbauweise machbar“, so Luplow weiter.

Die Ideen der Awo bettete Petra Streiber als zuständige Fachbereichsleiterin in die Gesamtsituation der Kinderbetreuung in Lübben ein. Derzeit seien 37 Kita- und 57 Hortbetreuungsplätze in der Antragstellung. Den aktuellen Platzmangel gehe die Verwaltung so an: „Wir prüfen, bei welchen Einrichtungen wir durch geschickte Umgestaltung noch etwas lösen können“, sagte sie.

Auch bauliche Maßnahmen seien in Absprache mit dem Bauamt angedacht. Bei der Beantragung von vorübergehenden und dauerhaften Kapazitätserweiterungen erhöhe es die Wahrscheinlichkeit der Bewilligung, wenn künftige Vorhaben in Aussicht stehen.

Keine Aussage zu privater Initiative

Eines davon war bisher als Investition aus privater Hand im Gespräch. Angedacht waren 110 Plätze. Doch dazu gebe es weder ein Ja, noch ein Nein, noch eine verbindliche Aussage, wann mit einer Entscheidung zu rechnen sei, informierte die Fachbereichsleiterin weiter. Daraus resultierende Hinweise aus den Fraktionen, Alternativen zu planen, seien bereits angekommen.

Daran anschließend bat Stadtverordneter Jens Richter (CDU) weiterhin und mit Nachdruck um „rechtzeitige Informationen in den Ausschüssen oder Fraktionsvorsitzendenrunden“.